Archiv für metall / automobil

Aufrechter Gang

Mit überwältigender Mehrheit haben die Mitglieder der IG Metall des Opel Werks in Bochum die Zustimmung zu ihrer eigenen bedingungslosen Kapitulation abgelehnt. Dies ist als Zeichen von Widerstandsgeist zu verstehen. Hut ab vor denen, die sich selbst dem von der eigenen Organisation, der IG Metall, ausgehandelten Abwicklungsplans widersetzen. Weiterlesen

Die vergessene Geschichte des Organizing

Wobblies und radikale deutsche Bierbrauer in den USA

Der Sänger, Wanderarbeiter und Dichter Joe Hill bezahlte seine gewerkschaftliche Tätigkeit am 19. Nov. 1915 mit dem Leben.

Seit 2006 wird der Begriff >>Organizing<< in Deutschland verstärkt verwendet. Sowohl einige linke Aktivisten als auch Gewerkschafter und PR-Strategen aus dem Umfeld von IG Metall und ver.di rezipieren unter diesem Label Konzepte amerikanischer Gewerkschaften wie der SEIU zur Mitgliedergewinnung, Kampagnen-Führung und organisatorischen Wiederbelebung (siehe Rainer Berger + Malte Meyer in ak 565 und Eric Leiderer, IG Metall-Jugend in ak 567).

Man gewinnt seither den Eindruck, als sei das Organisieren in den USA erfunden worden und eine völlig neuartige Sache. Dem ist nicht so.

Vielmehr handelt es sich  – aus historischer Perspektive – um einen deutschen Export und Re-Import.

Die Rezeption der US-amerikanischen Arbeiterbewegung hat in Deutschland mindestens zwei  blinde Flecken. Der eine betrifft die radikale anarchistische Vorgeschichte der us-amerikanischen sozialistischen Bewegung. Weiterlesen

IG Metall-Tarif 2012: KapitalistInnen voll zufrieden – LeiharbeiterInnen voll geleimt

Branchenzuschlag für Leiharbeit in der Metallindustrie / Nur wenige Leiharbeiter_innen kommen in den Genuss der vollen Aufschläge / Equal Pay für Leiharbeit per Tarif unterlaufen / Eine kritische Auswertung

Illustration aus dem alchemistischen Buch "Della tramutatione metallica sogni tre" von Gio. Battista Nazari, 1571 oder früher.

[Hinweis: Der Beitrag enthält die Meinung eines IWW-Mitglieds. Sie muss nicht der Meinung der IWW entsprechen. Der Text ist als pdf verfügbar.]

Die Tarifrunde in der Metallindustrie ist vorbei, es gibt einen Abschluss für die festangestellten KollegInnen der Metall- und Elektroindustrie und einen zweiten für die dort beschäftigten LeiharbeiterInnen.  Der von einigen traditionslinken Presseorganen herbeigeschriebene bevorstehende große Klassenkampf  hat zum xten mal nicht stattgefunden.
Und ganz erstaunlich, alle sind zufrieden, die IG Metall, die Unternehmerverbände und nicht zuletzt die Bundesregierung,  die durch die EU Richtlinie zur Leiharbeit einem gewissen Handlungsdruck ausgesetzt war und sich diesem mit den Tarifabschlüssen entziehen zu können glaubt.

Es lohnt sich also ein genauer Blick auf das Ergebnis der beiden Tarifvereinbarungen.

Für die Metallindustrie gab es einen Abschluss von 4,3 Prozent für 13 Monate, was einem Jahresergebnis von 3,9 Prozent entspricht.  Immerhin kein Reallohnverlust, aber der Ertrag aus der Steigerung der Arbeitsproduktivität geht fast vollständig an die KapitalistInnen. Weiterlesen

Wilder Streik im Mansfelder Land erfolgreich

Belegschaft der Fahrradfabrik Mifa erkämpft 150,- EUR mehr pro Monat

Wie die Mitteldeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe vom 4. April 2012 vermeldet, hat die Belegschaft der börsennotierten Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (MIFA) in Sangerhausen Mitte März 2012 in einer spontanen Streikaktion höhere Löhne durchgesetzt.

Zuletzt machte der “größte deutsche Fahrrad Produzent” durch eine hohe Kapital-Beteiligung des Carsten Maschmeyer von sich reden, sowie durch einen unrühmlichen Beitrag zum legendären “Strike Bike” von 2008 in Nordhausen.

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Zeitarbeit: Mindest(mini)lohn vereinbart

Wie IG Metall und ver.di ihre Chancen nicht nutzten und niedrige Leiharbeitstarife möglich machten / Hintergründe, Kritik und Rückschau der DGB-Leiharbeitspolitik

Grabdenkmal des Sklavenhändlers Caius Aiacius, Köln, 30-40 n. Chr

Grabdenkmal des Sklavenhändlers Caius Aiacius, Köln, 30-40 n. Chr. / Lizenz: GNU, Autor: Marcuc Cyron

Er wird also kommen: ein „neuer“ Mindestlohn für die ca. 900 000 ZeitarbeiterInnen. Dies hat der Tarifausschuss beim Bundesministerium für Arbeit beschlossen und das Bundeskabinett in seiner letzten Sitzung des Jahres 2011 abgesegnet. Somit wird nach Baugewerbe und wenigen anderen Branchen ein weiterer Tarif nach dem Entsendegesetz als Mindestlohn definiert.

7,89 Euro im Westen und 7,01 Euro Brutto pro Stunde in den neuen Bundesländern sind wahrlich kein Anlass zum Jubel. Jedenfalls nicht für die Lohnarbeiter_innen. Allenfalls das Kapital kann sich freuen, sind doch damit bis Ende 2013 Niedriglöhne garantiert. Hartz-IV-Ergänzung ist möglich.

Unverständlich ist daher die Reaktion des DGB Bundesvorstandsmitglieds Matecki, der in einer Pressemitteilung vom 9.12.2011 verlauten liess: „Damit haben die DGB Gewerkschaften zusammen mit den beiden Arbeitgeberverbänden iGZ und BAP ein wichtiges Etappenziel zugunsten der Beschäftigten der Branche erreicht: eine flächendeckende Lohnuntergrenze in der Leiharbeit“.

Diese Aussage ist pure Augenwischerei. Weiterlesen

China: Streikwelle im Perlfluss-Delta?

Laut übereinstimmenden Berichten des TV-Senders Arte und der World Socialist Website (WSW) kommt es seit November 2011 zu einer beeidruckenden Anzahl von Streiks an den Fließbändern der Chinesischen Industrie.

WSW schreibt dazu:

Am 17. November streikten ungefähr siebentausend Arbeiter in der Schuhfabrik Yue Cheng. Sie versuchten, ihre Arbeitsplätze gegen den Plan des Unternehmens zu verteidigen, die Produktion ins Inland zu verlagern, wo die Arbeitskosten niedriger sind. Hunderte Arbeiter des Unterwäscheherstellers Top Form und eintausend Arbeiter einer taiwanesischen Computerzubehörfabrik streikten ebenfalls, beide gegen zu lange Arbeitszeit und zu niedrige Löhne. Weiterlesen