Wo: Stadtteilladen Lunte, Weisestr. 53 (Neukölln)
Wann: Dienstag 12. Juni 2007, 20 Uhr
Gezeigt wird der Film “La Rupture” (1970, Claude Chabrol, 120 Min). Manche mögen einwenden, dass gerade Chabrol die Filme der nouvelle vague verbrochen hat, einer Filmrichtung, die insbesondere durch eine absichtsvoll dillettierende Kameraführung von sich reden zu machen wußte, die am meisten dem Mainstream entsprachen. Nun hat sich der Mainstream innerhalb von 35 Jahren geändert, die Wahrnehmungsweisen haben sich geändert, aber auch das, was gezeigt wird und was nicht. “La rupture”, ein Thriller, der von seiner Drastizität nichts eingebüßt hat, zeigt den Kampf einer Mutter um ihr Kind und mithin ihre Selbstbehauptung. Nach der Trennung von ihrem Gatten infolge einer gewalttätigen Auseinandersetzung sieht sich die Protagonistin (gespielt von Stephan Audran) zunehmend der Nachstellung durch die hochbourgeoise Familie ihres Ex ausgesetzt, der bei ihrem Bestreben, das Kind der Mutter zu entreißen, jedes Mittel recht erscheint.
Ein Vertreter der Berliner Gruppe der Industrial Workers of the World (IWW) steht für eine Diskussion über den Wandel in der Wahrnehmung des Klassenantagonismus zur Verfügung. Aktuelle Informationen zum Arbeitskampf von Baristas gegen den Starbuckskonzern in den USA sind erhältlich. Eintritt frei.
In Städten rund um den Globus fanden am 17. Mai 2007 Aktionen vor und in Starbucks-Fillialen statt / Die Starbucks Workers Union (SWU) expandiert in weitere Stadt der USA.
Anlässlich des dritten Jahrestags der Gründung der Starbucks-Gewerkschaft (am 17. Mai 2004 in New York City) mobilisierte die IWW zu einem Aktionstag für die gewerkschaftlichen Rechte der Starbucks-ArbeiterInnen. Es gab - so ein erster Überblick - Proteste gegen die gewerkschaftsfeindlichen Praktiken der weltweit größten Kaffee-Haus-Kette in New York City, Lancaster/Pennsylvania, Oakland/Kalifornien, Paris, Madrid, Genf, Duisburg, Hamburg. Die australische Gewerkschft “unite” beteiligte sich ebenfalls.
Die Aktionen richteten sich einerseits gegen den Versuch von Starbucks, gewerkschaftliche Organisierung zu zerschlagen, andererseits gegen die unzumutbaren Arbeitsbedingungen in der Kette.
Die ArbeiterInnen in den USA beklagen:
- Zu wenig garantierte Wochenstunden,
- einen Lohn, der zum leben nicht reicht,
- mangelhafte Sozial- und Krankenversicherung,
- erhebliche Defizite beim Arbeitsschutz
- Unterbesetzung an Personal in den Fillalen.
Seit 2005 wurden fünf IWW-GewerkschafterInnen bei Starbucks gekündigt - offensichtlich um die Verankerung der IWW im Unternehmen zu torpedieren. Es wird keine Ruhe geben, bis unsere KollegInnen wieder eingestellt sind!
Gleichzeitig gelang es der SWU, in eine weitere Stadt der USA zu expandieren. Die ArbeiterInnen einer Filliale in Grands Rapids / Michigan gaben am Abend des 17. Mai ihre Mitgliedschaft in der IWW-Gewerkschaft bekannt (siehe Foto). Damit sind nun - neben den GenossInnen aus Michigan - ArbeiterInnen in New York City, Chicago und Rockville bei den Wobblies organisiert.
Die IWW ist die einzige Gewerkschaft in den USA, welche ArbeiterInnen bei Starbucks vertritt. In Deutschland gibt es bislang keinerlei gewerkschaftliche Repräsentanz bei Starbucks.
Quellen:
Starbucks Worksers Union expandiert nach Grands Rapids / Michigan (englisch)
Hintergrund-Artikel über die Starbucks-Gewerkschaft der IWW
Solidaritätsaktion der CGT in Madrid (spanisch)
Die neuen Arbeitsplätze bedeuten in erster Linie prekäre Jobs und eine innere Mobilmachung für den Standort Deutschland
In allen Medien wird kräftig der Aufschwung zelebriert und zum 1.Mai konnte der deutsche Bundesarbeitsminister, Franz Müntefering (SPD), die frohe Botschaft nicht schnell genug loswerden: Die Zahl der Erwerbslosen sei im Monat April 2007 erstmals seit Jahren auf weniger als 4 Millionen gesunken! Wie die Bundesagentur für Arbeit tags darauf ergänzte, sei dieser Rückgang vor allem auf den Zuwachs an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung zurückzuführen. Damit setzt sich anscheindend ein Trend fort, der bereits seit Monaten von allen Seiten herbeigejubelt wird: das deutsche Jobwunder.
Arbeit, die nicht zum Leben reicht: Arbeitslosengeld 2 als Niedriglohn-Subvention
Dass daran wenig Wunderbares ist, zeigt sich allerdings, wenn man sich die Beschäftigungsentwicklung über die plakativen Zahlen hinaus genauer ansieht. In den letzten sieben Jahren ist die Anzahl der Vollzeit-Beschäftigten um fast 1,5 Millionen zurückgegangen, während die Teilzeitbeschäftigung zugenommen hat. Dies ist jedoch meistens nicht selbstgewählt. Laut einer Umfrage der Bundesbank gaben mehr als die Hälfte aller Teilzeitbeschäftigten an, dass sie nur deshalb in Teilzeit arbeiteten, weil eine Vollzeitstelle derzeit nicht zu finden sei. Hinzu kommt ein anhaltendes Sinken der Reallöhne, welches dazu führt, dass zahlreiche Beschäftigte auch von einem Vollzeitjob nicht mehr leben können.
Deutlicher Ausdruck dafür ist die auf den ersten Blick paradoxe Tatsache, dass - trotz sinkender Arbeitslosenzahlen - die Zahl der ALG II-Bezieher gegenüber dem Vorjahresmonat auf 5,2 Millionen angestiegen ist, von denen immerhin 2,6 Millionen nicht als arbeitssuchend gemeldet sind. Wenn man jedoch in Betracht zieht, dass 4,5 Millionen Menschen inzwischen für einen Stundenlohn von weniger als 7,50 Euro brutto arbeiten, davon 1,5 Millionen für weniger als 5,- Euro, erklärt sich dieser scheinbare Widerspruch von selbst. Zusätzlich zum Lohn brauchen viele ArbeiterInnen Alg II, um über die Runden zu kommen. Angesichts dieser Entwicklung und der explosiven Dynamik, die von ihr ausgeht, ist es dann schon bezeichnend, wenn nun ausgerechnet im von einer CDU-geführten Koalition regierten Nordrhein-Westfalen ein gesetzlicher Mindestlohn für die 180.000 Beschäftigten im Hotel- und Gaststättengewerbe eingeführt wird, wie die Frankfurter Rundschau am 4.5.07 meldete. Je nach Tarifgruppe sollen die Beschäftigten in 44.000 Betrieben nun zwischen 900,- und 1284 Euro monatlich verdienen.
Auch die Leiharbeit boomt weiterhin
Wie das “Institut für Arbeit und Qualifikation” (IAQ) feststellte, hat sich zwischen 2003 und 2006 die Zahl der über Leiharbeitsfirmen Beschäftigten auf etwa 600.000 verdoppelt. Immer mehr Unternehmen, zunehmend aber auch Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeheime, greifen bei Auftragsspitzen, Personalengpässen, Urlaubsvertretungen etc. auf Leiharbeiter zurück, die sie nach Bedarf heuern und feuern können, ohne sich mit Krankmeldungen, tariflichen Leistungen und betrieblichen Mitbestimmungswünschen auseinandersetzen zu müssen. Die drei Zeitarbeitgeberverbände haben inzwischen mit dem DGB Tarifverträge ausgehandelt, die durchschnittliche Stundenlöhne zwischen 6,22 Euro und 7,15 Euro vorsehen.
Ein-Euro- und Mini-Jobber
Hinzu kommt inzwischen ein nicht unbeträchtlicher Bereich öffentlich geförderter Beschäftigung. Wie BA-Chef Weise erklärte, sind von allen der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen nur 61% “normale” ungeförderte sozialversicherungspflichtige Jobs. Von den nicht in der Arbeitslosenstatistik Erfassten fallen unter anderem die 284.200 Ein-Euro-Jobber ins Auge, mehr noch aber die 4,74 Millionen Menschen, die sich ausschließlich mit Minijobs über Wasser halten. Nicht eingerechnet ist der ungebrochene Trend zu Scheinselbstständigkeit und Jobs auf Honorarbasis, bei denen sämtliche Risiken auf den Beschäftigten lasten.
In welchen Branchen sind nun die neuen Jobs entstanden?
Vor allem bei den unternehmensnahen Dienstleistungen gab es einen starken Anstieg von 8,5% neuen Arbeitsplätzen, diese allerdings sind, wie auch im Bericht der BA eingeräumt wird, zum größten Teil dem Bereich der Zeitarbeit zuzurechnen. Im Baugewerbe liegt der Zuwachs bei 8,0%, im Gastgewerbe bei 3,6%, in Verkehr und Nachrichtenübermittlung bei 3,9% und selbst Industriearbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verzeichnen einen Anstieg um 1,1%. Eindeutig rückläufig mit -1,8% ist lediglich die Kredit- und Versicherungsbranche.
Frontalangriff auf die tariflich abgesicherte Vollzeitarbeit
Insgesamt kann also festgestellt werden, dass der Zuwachs an Arbeitsplätzen zum größten Teil auf der Ausweitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse beruht. Damit scheint weitgehend verwirklicht zu sein, was von BDA-Chef Hundt über Politiker der Parteien von CDU bis SPD bis zu diversen “Wirtschaftsweisen” seit Jahr und Tag gefordert wurde, nämlich die Schaffung eines breiten Niedriglohnsektors.
Nur ging es sicherlich nicht darum, wie Hundt in einer seiner immer gebetsmühlenhafter klingenden Presseerklärungen etwa im März 2006 behauptet hatte, “Langzeitarbeitslosen und gering Qualifizierten Beschäftigung zu sichern bzw. zu bringen”. Genau diese sind es ja auch, die der Rückgang der Arbeitslosenzahlen kaum betrifft, ebensowenig wie die Lohnabhängigen über 50, die stattdessen zunehmend ausrangiert werden. Im Visier hatte und hat man vielmehr die bisher tariflich abgesicherten Beschäftigungsverhältnisse.
Ein Weg, um diese aufzuweichen und möglichst zu deregulieren sowie Löhne und Beschäftigungsstandards drastisch abzusenken, ist wiederum die Ausweitung der Leiharbeit. Konzerne gründen ihre eigenen Zeitarbeitsfirmen: “Bankpower” (Deutsche Bank), “Vivento” (Deutsche Telekom), “Auto Vision” (VW), “db-zeitarbeit” (Deutsche Bahn) stellen von den Mutterkonzernen entlassene oder “outgesourcte” Beschäftigte zu deutlich niedrigeren Löhnen und ungesicherten Konditionen ein, um sie dann wieder an eben diese Konzerne zu verleihen. Oder, wie es das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der BA vornehm ausdrückt: “Der Aufschwung am Arbeitsmarkt ist nur um den Preis einer geringeren Beschäftigungsstabilität zu haben”(IAB am 30.12.2006). Die arbeitsmarktpolitischen Veränderungen der letzten Jahre, darunter speziell die Schrödersche Agenda 2010 und die Hartz-Gesetze können als großangelegte Kampagne zur krisenhaften Restrukturierung der Lohnarbeit analysiert werden.
Ziel ist die radikale Senkung des Preises der Ware Arbeitskraft, die Aushebelung von Schutzmechanismen und Tarifbindungen, das Zumauern der Nischen, in denen bisher noch vereinzelt ein Leben ohne die Unterwerfung unter das Diktat der Kapitalverwertung möglich war. Und zugleich geht es auch um die schrankenlose Ausweitung der Lohnarbeit, einerseits durch das Stopfen der Verwertungslücken, die durch klar geregelte und begrenzte Arbeitszeiten noch bestehen, zum anderen aber auch durch Produktivitätssteigerung.
Arbeiten bis zum Umfallen?
Und hier sind die Ergebnisse seit längerem sichtbar: 2006 stieg nach Angaben des Instituts für sozialökologische Wirtschaftsforschung (isw) die Produktivität je Arbeitsstunde um 1,9%, je Erwerbstätigen um 1,8%. Ein Aspekt dessen ist der historische niedrige Krankenstand: gerade einmal durchschnittlich 7,2 Arbeitstage bzw. 3,29% der Sollarbeitszeit gingen den Unternehmen 2006 durch Krankmeldungen verloren, eine glatte Halbierung gegenüber den Zahlen von 1980. Natürlich heißt dass nicht, dass die Menschen weniger krank wären. Im Gegenteil: Der erhöhte Arbeitsdruck produziert eine Vielzahl an zusätzlichen, vor allem psychischen Erkrankungen. Diese haben sich laut einer Studie der Betriebskrankenkassen seit 1976 nahezu vervierfacht. Lohnarbeit wird also zunehmend wieder zum Gesundheitsrisiko.
Gewisse Ausfälle scheinen von den Unternehmen aber durchaus einkalkuliert zu werden. “Bei den Stellenstreichungen sind die gesundheitlich Beeinträchtigten zuerst entlassen worden”, zitiert das isw-Wirtschaftsinfo von März 2007 den Berliner Sozialforscher Hans-Dieter Nolting und ergänzt: “Die Firmen haben sich verjüngte und gesündere Mannschaften zusammengestellt.” Erhöhung der Arbeitsproduktivität plus Senkung der Löhne und Ausweitung der Arbeitszeiten heißt Intensivierung der Ausbeutung und das möglichst massenhaft und widerstandslos. Eine Begleiterscheinung dieser Entwicklung ist eine Renaissance der Arbeitsideologie, die den Druck auf all jene verschärft, die nicht bereit sind, sich für einen Bruttolohn von 5,- Euro in der Stunde die Gesundheit zu ruinieren oder die Perspektive eines gesellschaftlichen Zusammenlebens ohne Lohnarbeit, Arbeitshetze, Warenfetisch und Geldvergesellschaftung im Kopf haben.
Es war in bestimmten Teilen Berlins, Frankfurts oder Gelsenkirchens in den letzten Jahren durchaus machbar, als Erwerbslose/r zwar materiell erbärmlich und von Schikanen der Sozialbürokratie bedroht, aber mit weniger schlechtem Gewissen, bösem Getuschel der Nachbarn und Druck aus dem sozialen Umfeld zu existieren, als noch vor ein paar Jahrzehnten. Warum? Weil sich zunehmend herumgesprochen hatte, dass Erwerbslosigkeit kein Problem individueller Arbeitsverweigerung sondern ein Massenphänomen ist und Plattitüden wie “Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit” zunehmend nicht mehr griffen.
Aber inzwischen hat sich auch in dieser Hinsicht das Blatt gewendet. Mit vorerst ungebrochenem Elan wird nun wieder gearbeitet bis zum Umfallen, damit der Standort Deutschland auf dem Weltmarkt attraktiv bleibt. Wer da nicht mitmacht, wird schnell zum Problemfall, mit dem sich Fallmanager, Sozialarbeiter, gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaften, Talkshowmoderatoren und Wahlkämpfer befassen. Und dabei kann nichts Gutes herauskommen.
Veranstaltung: Geschichte und Perspektive einer kleinen, radikalen internationalen Gewerkschaft.
Ein Abend für FreundInnen, Bekannte und Interessierte.
Referent: Heiner Stuhlfauth, Veranstalter: IWW Gruppe Köln
Donnerstag, 17. Mai 2007, 20 Uhr
TTE-Bücherei im Bürgerzentrum Alte Feuerwache / Mannschaftshaus, 2. Stock / Melchiorstr. 3 / 50670 Köln (U-Bahn Ebertplatz)