Die Kraftprobe zwischen der französischen Regierung und den Gewerkschaften spitzte sich am 20.11. noch einmal zu. Mit Massendemonstrationen und einem landesweiten Aktionstag haben die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Frankreich am Dienstag gegen die Politik der Regierung um Präsident Nicolas Sarkozy protestiert. Gemeinsam mit den seit einer Woche streikenden Eisenbahnern und den Beschäftigten der Nahverkehrsbetriebe wandten sie sich gegen den geplanten Stellenabbau und den Verlust an Kaufkraft in den zurückliegenden Jahren.
Keine Metro, keine Zeitungen, keine Post: In Paris kam das öffentliche Leben fast zum Stillstand, da auch rund die Hälfte der Lehrer am Streik teilnahm und zahlreiche Schulen geschlossen blieben. Das Krankenhauspersonal, die Finanzämter und die Sozialversicherung waren ebenso von den Aktionen betroffen wie die Airports, an denen die Fluglotsen und das Bodenpersonal in den Ausstand traten. Annullierungen und Verspätungen in Orly und Roissy waren die Folge.
Auch der Zugverkehr, vor allem für die Berufspendler, blieb eine Woche nach Streikbeginn der Eisenbahner ein Roulettespiel. Wie schon in den vergangenen Tagen, hatten sich viele schon früh auf den Weg zum Arbeitsplatz gemacht, um auf ihrem Vorortbahnhof festzustellen, dass die am Vortag angekündigten Züge dann doch ausfielen. Den gesamten Beitrag lesen »
Reiche werden immer reicher, während die große Mehrheit gerade so über die Runden kommt.
Wie die Sueddeutsche Zeitung am 6. November 2007 berichtet, besitzen 10 % der Deutschen fast zwei Drittel des gesamten Volksvermögens.
Sie SZ schreibt weiter: “Die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigt die Sorgen vieler Bürger, dass die Reichen immer reicher werden, während die große Masse gerade über die Runden kommt. Nach den Berechnungen auf Grundlage des Sozioökonomischen Panels (Soep) verfügen die Deutschen über ein Gesamtvermögen von 5,4 Billionen Euro.
81.000 Euro im Jahr für jeden - theoretisch und statitsisch gesehen
Hierzu zählen die individuellen Ersparnisse nach Abzug von Schulden, das Wohneigentum, die privaten Rentenansprüche und die Versicherungen. Auch die Sammlungen von Kunstwerken, Münzen oder Briefmarken haben die DIW-Forscher berücksichtigt.
Wäre das Vermögen gleich verteilt, besäße jeder Deutsche Sach- und Geldkapital von etwa 81000 Euro. Tatsächlich besaßen 2002 mehr als die Hälfte der Bürger über 17 Jahren so gut wie nichts. Sie nutzen ihr gesamtes Einkommen für den Konsum oder die Schuldentilgung.
Die Studie zeigt auch, wie groß die Unterschiede zwischen Ost und West noch immer sind. Das Durchschnittsvermögen eines Westdeutschen ist 2,6 mal höher als das eines Ostdeutschen; Ostdeutsche sind eher verschuldet und besitzen seltener Wohneigentum. Auch Frauen sind benachteiligt. Ihr Kapital ist im Schnitt fast 30 000 Euro niedriger als das von Männern. Besonders gering sind die Ersparnisse von Migranten. Sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern verfügen sie über weniger als die Hälfte des Durchschnittsvermögens.
Kapitalanteil inwischen bei 33,8 Prozent
Das DIW-Gutachten belegt zudem, dass die Wohlhabenden ihr Vermögen auch schneller vermehren, die sozialen Gegensätze in den vergangenen Jahren daher gewachsen sind. So ist der Kapitalanteil am Volkseinkommen in Deutschland von 1996 bis 2006 um vier Prozentpunkte gestiegen und beträgt heute 33,8 Prozent. Mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich folgt die Entwicklung einem weltweiten Trend.
Seit den frühen neunziger Jahren sind die Einkommen der Spitzenverdiener auf allen Kontinenten erheblich schneller gestiegen als die Gehälter von Geringverdienern. Experten des Internationalen Währungsfonds nennen dafür vor allem zwei Gründe: Den technologischen Fortschritt und die Liberalisierung des Welthandels. Spezialisten haben dadurch die Möglichkeit, ihr Wissen noch produktiver einzusetzen, gleichzeitig gibt es mehr Konkurrenz unter Niedrigqualifizierten.
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/artikel/783/141477/
Warum wir den Streik des Fahrpersonals unterstützen
Die in der GDL organisierten Lokführer und anderen Angehörigen des Fahrpersonals der Bahn bestreiken seit Donnerstag den Güterverkehr. Der Bahnvorstand sieht rot, die Medien heulen, die Regierung grummelt. Und wie mittlerweile auf der Seite der Arbeitgeber schon üblich, droht Bahnchef Mehdorn für den Fall eines Erfolgs der GDL in der Tarifauseinandersetzung mit dem Abbau von Arbeitsplätzen. Den Lokführern wird vom Bahnmanagement Anspruchsdenken und mangelnde Verhandlungsbereitschaft vorgeworfen, ihre Streikziele als “irrwitzig”, irrational” und “absurd” bezeichnet. Dabei sind die bisherigen “Angebote” des DB-Vorstandes reine PR-Gags und die Ziele der Streikenden eigentlich recht gemäßigt.
So sind Forderungen wie die nach einer Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden gegenüber bisherigen 41 oder nach einer Senkung der Schichtlänge um zwei auf maximal zwölf Stunden alles andere als unverschämt.. Auch die bekannte Forderung nach einer Lohnerhöhung um 31% kam erst dadurch zustande, dass die GDL ihren Lohnforderungen, aus rechtlichen Gründen, eine einheitliche Form geben musste. Die ursprünglich Forderung war die nach einer Erhöhung des Einstiegsbruttolohns auf 2500 Euro (gegenüber 1970 Euro bisher)und besseren Chancen auf Lohnerhöhungen bei längerer Betriebszugehörigkeit.
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Die deutsche Bundesregierung hält offenbar den aktuellen Armuts- und Reichtumsberichtbericht zurück, weil sie eine neue Armutsdebatte vor den Landtagswahlen in Hessen und in Niedersachsen im Januar 2008 fürchtet.
Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) am 4. Nov. 2007 berichtet, “liegen alle notwendigen Daten bereits vor”. Die Zeitung unterstelt der Regierung bei ihrer Verzögerung ganz offen wahltaktisches Stimmungskalkül. Der Armuts- und Reichtumsbericht erscheint seit 2001 immer in der Mitte einer Legislaturperiode; er wird jetzt für 2008 erwartet (wahrscheinlich um gezielt im Sommerloch versenkt zu werden).
Das Dossier wird federführend vom Ministerium für Arbeit und Soziales erstellt, das derzeit von Vize-Kanzler Franz Müntefering (SPD) geleitet wird. Müntefering war eine treibende Kraft hinter den Hartz-Gesetzen und der Agenda 2010. Dies FAS schreibt weiter: “Der dritte Armuts- und Reichtumsbericht […] dürfte mit seinen Zahlen zur Armutsentwicklung die gute Stimmung trüben, weil sich die gute Arbeitsmarktlage der Jahre 2006 und 2007 darin noch nicht wiederspiegelt. Arbeitslosigkeit ist aber, wie es im Bericht von 2005 heißt, “die Hauptursache von Armut und sozialer Ausgrenzung.”
Was die FAS nicht sehen will ist, dass der vielzitierte “Aufschwung am Arbeitsmarkt” zu großen Teilen auf Arbeit basiert, welche die Arbeitenden in Armut belässt oder langfristig der Altersarmut ausliefern wird (Dumpinglöhne, aufstockendes Hartz IV, Ein-Euro-Jobs, Minijobs, Schwarzarbeit). Somit dürften die Zahlen von 2006 und 2007 eher die Ankunft eines us-amerikanischen Phänomens in Deutschland bestätigen, das wir aus dem Alltag schon kennen: working poor.
Als arm gilt in Deutschland derjenige, dessen Einkommen weniger als 60% des Durchschnittseinkommens beträgt. Diese Einkommensarmut ist als Schlüsselmerkmal von Armut zu sehen mit all ihren Auswirkungen auf weitere Lebensbereiche wie zum Beispiel Gesundheit oder Bildung. Die Evangelische Kirche in Deutschland geht in einer Pressemitteilung vom 4. November 2007 von 2,6 Millionen Kindern aus, die in Deutschland in Armut leben. Das Online-Magazin telepolis spricht am 5. November 2007 von 410.000 Obdachlosen in Deutschland, den ärmsten der Armen.