Starbucks ist keineswegs einer der 50 besten Arbeitgeber der Welt
Liebe UnterstützerInnen, Freundinnen und Freunde der IWW Starbucks Workers Union!
Bitte nehmt euch einen Moment Zeit, an einer E-Mail-Aktion teilzunehmen. Schickt einen Protestbrief an den Herausgeber des „Fortune Magazine“, das bereits im zweiten Jahr in Folge wissentlich grobe Unwahrheiten über Starbucks als Arbeitgeber verbreitet.
Starbucks wirbt weltweit Arbeitskräfte unter anderem mit der Begründung, dass das Unternehmen vom us-amerikanischen Fortune Magazine in der jährlichen Top-50-Liste der arbeitnehmerfreundlichsten Unternehmen geführt wird („50 Best Companies to work for“).
Das „Fortune Magazine“ ist eine Wirtschafts-Illustrierte, die zum TimeWarner Konzern gehört und im deutschsprachigen Raum in etwa mit Blättern wie „Forbes“ oder „Capital“ vergleichbar ist. Die Aufnahme von Unternehmen in die populären Ranking-Listen des “Fortune Magazine” erfolgt anscheindend nach äußerst merkwürdigen Kriterien; dennoch erfreuen sich diese seit Jahrzenten großer Resonanz.> Wir danken im Namen der Beschäftigten bei Starbucks und ihrer Familien für euer Engagement, die Tatsachen zurecht zu rücken!
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Die Finanzkrise in den USA schadet offenbar den Geschäften der weltgrößten Kaffee-Haus-Kette. Auch gewerkschaftliche Aktivitäten bereiten dem Konzern Probleme. Wir dokumentieren einen Artikel von Heiner Stuhlfauth aus der Jungle-World vom 24. Januar 2008:
Der 7. Januar sollte eigentlich die Wende für den einstigen Börsenliebling Starbucks bringen, die US-Kette, die auch deutsche Innenstädte seit zwei Jahren mit Filialen bepflastert. An jenem Tag kehrte Howard Schultz zurück auf den Posten des Geschäftsführers (CEO). Der Unternehmensgründer, der in den USA sehr bekannt ist und von manchen als »charismatisch« bezeichnet wird, auf andere allerdings eher schmierig wirkt, soll den verloren geglaubten »Spirit« zurück in das Unternehmen bringen. Zuvor hatte McDonald’s angekündigt, Starbucks mit der Einrichtung eigener Kaffee-Bars auf dem US-Markt zu attackieren. Die »McCafes« waren in Übersee, u.a. in Deutschland, an bislang 300 Orten, getestet und für gut befunden worden.
Keine Lust mehr auf Frappuccino dingsbums
Die Starbucks-Aktie erholte sich nach der Rückkehr von Schultz kurzfristig, nachdem der Kurs innerhalb eines Jahres um 48 Prozent gesunken war. Zum Jahreswechsel hatte die Ratingagentur Bear Sterns & Co. ihre Empfehlung von »gleichbleibend« (peer perform) zu »abstoßen« (outperform) geändert. Joseph Buckley, der Analyst von Bear, begründete seine Skepsis einem Bericht der Agentur Bloomberg zufolge u.a. damit, Starbucks habe durch stetige Expansion seine Kundenbasis auch auf »weniger wohlhabende Kunden erweitert, die jetzt auf wirtschaftliche Belastungen reagieren«.
Der Niedergang der US-Finanzmärkte, der mit dem Platzen der Hypothekenblase begann und sich inzwischen zu einer dramatischen Krise der Banken und des Dollars gesteigert hat, vergällt den Büroangestellten in den Innenstädten offenbar den Geschmack an Frappuccino Latte on ice und anderen Kreationen mit albernen Namen. Deren Preise (bis sechs Dollar) lassen sich hauptsächlich aus dem Image der Marke Starbucks erklären.
Am 15. November musste Starbucks erstmals einen Rückgang der Kundenzahlen in den USA bekannt geben, obwohl ständig neue Filialen eröffnet wurden. Somit dürfte auch Starbucks zu den Opfern der derzeitigen Finanzkrise zählen und wäre das erste von der Krise betroffene Großunternehmen, dessen Geschäftsfeld, anders als bei den bisher betroffenen Banken, außerhalb von Immobilienspekulation
und Kreditvergabe liegt.
IWW Starbucks Workers Union: Boykott und schlechte Presse
Doch es gibt noch die Faktoren Mensch und Arbeit, die ebenfalls ihren Beitrag zum Wertverlust der Starbucks-Aktie geleistet haben dürften. Sie startete im Juni 1992 mit 17 Dollar, am 5. Mai 2006 erreichte sie mit 39,63 Dollar ihren Höchststand und rutschte seitdem bis zum 2. Januar dieses Jahres auf 19,31 Dollar ab.
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“Wir sind zur Zeit in der glücklichen Lage, dass wir nicht mehr auf jeden Mitarbeiter angewiesen sind.”
Geäußert von einer Pflege-Dienstleiterin während einer Wohnbereichsleiter-Versammlung an die Adresse ihrer “MitarbeiterInnen” in Köln.
Kumpel der südpolnischen Zechenstadt Ornontowice kämpfen seit Dezember 2007 gegen Privatisierung und Lohnabbau / Jetzt sind 34 Bergleute der Zeche “Budryk” im Hungerstreik
Wie das polnische anarchistische Informationszentrum (Centrum Informacij Anarchistycznej) auf seiner Website am 21. Januar 2008 berichtet, haben sich die Kämpfe in der Steinkohlenzeche Budryk in dieser Woche erneut verschärft. 30 Kumpel haben 1050 Meter unter Tage einen Hungerstreik begonnen, vier Kollegen (auf dem Bild links zu sehen) verweigern über der Erdoberfläche die Nahrungsaufnahme.
Gegenwärtig sollen rund 150 Bergleute die Zeche in 700 Metern Tiefe besetzt halten, weitere 200 Kollegen nehmen das Betriebsgelände über der Erde in Beschlag. Am vergangenen Samstag mussten, nach Angaben der Bergleute, zwei Kollegen wegen gesundheitlicher Probleme ins Krankenhaus. Aufgrund der verschärften Bedingungen unter Tage geht der Hungerstreik schnell an die Substanz.
Der Streik, welcher sich seit dem 13. Dezember 2007 entwickelte, eskalierte unlängst, weil die Verhandlungen mit der Betreiberfirma JSW in einem Fiasko endeten. JSW ist eine staatliche Firma, die in einer Phase der Prosperität an private Betreiber verkauft werden soll. In Budryk ist der Lohn um 200 Zloty niedriger als in anderen JSW-Zechen, obwohl die Zeche, laut einem Bericht in der Jungle World vom 17. Januar, die jüngste und modernste in Polen sei und wirtschaftlich gut da stehen soll.
Von der bevor stehenden Privatisierung erwarten die Bergleute nichts als weitere Entlassungen, Lohnsenkungen und die Filetierung des Unternehmens in “profitable” und “unprofitable” Bereiche.
Die kämpfende Beleglschaft wird von den Gewerkschaften ZZ Kadra und WZZ Sierpien 80 unterstützt sowie von der polnischen Arbeiter-Initiative (Inicjatywa Pracownicza, IP), die in den vergangenen Monaten freundschaftliche Kontakte vor allem zu den britischen Wobblies aufgebaut hat.
Links / Quellen
jungle world, 17. Januar 2008
labournet Sonderseite Arbeitskämpfe in Polen
Immer mehr deutsche Unternehmer entdecken die Vorteile, die gesetzlich geregelte Mindestlöhne für sie mit sich bringen können – wenn sie nur niedrig genug sind.
Manchmal folgt eine politische Debatte erst weit nach den realen Entwicklungen. Was das Thema Mindestlöhne angeht, haben viele Politiker bereits gänzlich den Anschluss verloren, sogar an ihre eigenen Taten und Beschlüsse. So bietet etwa der Bundespräsident Horst Köhler Anlass zur Sorge. Vor wenigen Tagen verwies er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf die Risiken von Mindestlöhnen, da sie nicht von allen Unternehmern gezahlt werden könnten. Dabei unterschrieb er selbst kürzlich die Novelle des Entsendegesetzes und machte damit einen Mindestlohn für Briefträger möglich.
Da Prekarisierung und sinkende Löhne mittlerweile öffentlich debattiert werden und der Druck auf die Bundesregierung, die Parteien und die Unternehmer wächst, dem Lohndumping entgegenzuwirken, wollen auch die Unternehmerverbände mitreden. Denn Mindestlöhne – deren Einführung sie wohl ohnehin nicht verhindern können – bringen möglicherweise auch ihnen Nutzen, wenn sie nur niedrig genug sind. Mit dem Untergang des Postdienstleisters Pin hat sich in jener Branche gezeigt, dass ein solches Instrument etwa dazu taugen kann, sich unliebsame Billigkonkurrenz vom Hals zu halten. In diesem Fall ist es der Deutschen Post AG zumindest zeitweilig gelungen, die privaten Anbieter auszumanövrieren.
Mindestlohn als Waffe - gegen unliebsame Konkurrenz
»Es sollte einen Mindestlohn in der Zeitarbeits-, Entsorgungs- und Sicherheitsbranche geben«, sagte erst vor wenigen Tagen der Präsident des Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA), Volker Enkerts, der Frankfurter Rundschau. Doch die Forderung der Unternehmer weicht erheblich von jener der Gewerkschaften ab. Ein Mindestlohn von 9,80 Euro, so wie er für die Briefzusteller gilt, sei für die Zeitarbeitsbranche nicht möglich, meint Enkerts. Daher habe er sich mit dem DGB auf einen Stundenlohn von 7,15 Euro geeinigt. Dies sei auch eine Bezahlung, mit der die Menschen leben könnten, fügte er hinzu. Rein zufällig entspricht der vorgeschlagene Stundenlohn genau dem des Rahmentarifvertrags Zeitarbeit ohne Zuschläge. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Mitgliedsunternehmen des BZA ihren bescheidenen tariflichen Standard auf die gesamte Branche ausdehnen und damit Zeitarbeitsfirmen unter Druck setzen wollen, die bisher noch weniger zahlen.
Nur 4 bis 5 Euro die Stunde? Keine Skrupel bei den Wach- und Schließgesellschaften
Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS), Harald Olschok, sprach sich ebenfalls für Mindestlöhne aus. Er unterbietet seinen Unternehmerkollegen aber deutlich und sieht »vier bis fünf Euro als gerade noch verkraftbar« an. Bereits jemand, der fünf Euro pro Stunde verdient, liegt bei einer Vollzeitstelle weit unter der Armutsgrenze.
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