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29. März 2008

Krise, Kollaps, Kapitalismus

Ein Wochenend-Theorie-Seminar am 17. und 18. Mai 2008 in Köln

Die IWW Köln veranstaltet im Mai ein Theorieseminar, zu dem alle interessierten ArbeiterInnen, Linken, GewerkschafterInnen etc. herzlich eingeladen sind.

Worum es geht
Die Zeit ist reif. „Das große Zittern geht weiter“, schreibt die Frankfurter Allgemeine am 25.3.2008, und in ihrer Oster-Ausgabe 2008 verkündet das Sprachrohr der Kapitalisten, das globale Finanzsystem befinde sich in der „schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“.

Noch pfeifen die Geldsäcke im dunklen Wald eifrig Melodien, die ihnen und ihren Anlegern Mut machen sollen - und machen es dadurch auch für uns schwer, die wirklichen Dimensionen und möglichen Auswirkungen dieser Krise zu verstehen, die sich offensichtlich mit einer zunehmenden politischen Krise der kapitalistischen Herrschaft verbindet.

Daher wollen wir an einem Wochenende im Mai in Köln genauer über die Hintergründe der sogenannten „Subprime-Krise“ diskutieren. Das Seminar soll sowohl denjenigen einen verständlichen Einblick geben, für die alles „Ökonomische“ – was immer das sein soll – ein Buch mit sieben Siegeln ist, als auch „geschulten Marxisten“ die Möglichkeit bieten, sich über die Vor- und Nachteile einer Krisenerklärung aus dem Fall der Profitrate oder den Grenzen der Reproduktionsschemata auszutauschen.

Damit dieser Spagat gelingen kann, erhalten alle angemeldeten TeilnehmerInnen bis Mitte April einen Reader mit einigen, wenigen Texten als gemeinsamer Grundlage. Außerdem regen wir an, dass sich TeilnehmerInnen auf einzelne Blöcke oder Fragestellungen vorbereiten und kurze Einführungsreferate einbringen – dafür werden wir ergänzende Lesevorschläge verschicken.

Wer sich anmeldet, kommt zudem in einen Email-Verteiler, auf dem wir ab jetzt aktuelle Meldungen zur Krisenentwicklung aus der (Fach-)Presse, Hintergrundberichte oder ergänzende Hinweise rumschicken werden, die für die Vorbereitung des Seminars hilfreich sind.

Weitere Infos über Anmeldung, Inhalte, Kosten, Ablauf etc. findet ihr über folgenden link: http://www.wobblies.de/seminare.

Anmeldeschluss
…ist der 10. April 2008.
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13. März 2008

Eine neue Art von Klassengesellschaft

Zwischen sinkenden Reallöhnen und Abstiegsängsten einer schrumpfenden Mittelklasse verfestigen sich die sozialen Gegensätze

In der letzten Woche schienen alle Zeichen auf Sturm zu stehen: Warnstreiks im öffentlichen Dienst inklusive Lahmlegung des Frankfurter Flughafens und des öffentlichen Nahverkehrs, erneute Streikdrohungen der GDL, Arbeitskämpfe scheinen zunehmend Bestandteil der alltäglichen Normalität in Deutschland zu werden. Vor allem die jetzt nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen in die Schlichtung gehende Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst birgt Sprengstoff, denn ver.di steht unter massivem Erfolgsdruck. Nach selbstverschuldeten demütigenden Niederlagen in den letzten Jahren und angesichts starker Mitgliederverluste muss die Großgewerkschaft demonstrieren, dass auch sie in der Lage ist, einen Arbeitskampf konsequent zu führen.

Dass – im Gegensatz zu den harmlosen Ritualwarnstreiks vergangener Tarifrunden – diesmal wenigstens in einigen Städten tatsächlich ein Teil der öffentlichen Infrastruktur einen Tag lang real beeinträchtigt war, dürfte unter anderem auch auf das Beispiel der GDL zurückzuführen sein, die im Bahnstreik vorgeführt hatte, dass es möglich ist, Erfolge zu erzielen, wenn man bereit ist, dem Arbeitgeber einen wirklichen Schaden zuzufügen. Und auch die übliche Hetzkampagne, die in den Medien erfahrungsgemäß losbricht, wenn mal wieder streikbedingt Züge stillstehen oder Flüge ausfallen, fiel diesmal relativ moderat aus.

Zwar wurden auch diesmal wieder die üblichen Bilder von wütenden Pendlern gezeigt, die zu spät zur Arbeit kommen. Aber man zeigt ein gewisses Maß an Verständnis und sorgt sich um die auseinanderklaffende Schere zwischen Lohnentwicklung und Unternehmensgewinnen.

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7. März 2008

Woher kommt die Bezeichnung “Wobblies”?

Eine Antwort auf eine häufig gestellte Frage an die IWW:

Woher die Bezeichnung “Wobblies” für Mitglieder der IWW ursprünglich stammt, das weiß letztendlich niemand wirklich. Vier Theorien gibt es dazu und keine davon hält genauerer Überprüfung statt.:

1. In Vancouver gab es 1911 einen chinesischen Wirt. Wer ihm eine Red Card, den Mitgliedsausweis der IWW zeigte, konnte bei ihm unbegrenzt anschreiben. Leider hatte dieser Wirt Schwierigkeiten das W (englisch: Double Ju) korrekt auszusprechen und fragte statt dessen „Ei Wobble Wobble?“, wenn er wissen wollte, ob sein Gast in der IWW war. Das machte der Erzählung nach, bei den damals von einer Zeitarbeitsfirma zur nächsten jagenden Arbeitern die Runde.

2. Die „Wobbly Saw“(die wabbelige Säge). In zwei Erwähnungen wird von einer besonderen Säge geredet, deren Sägeblatt schief eingespannt war, um breitere Keile in das Holz zu schneiden. Warum das zum Spitznamen von IWW Mitgliedern führen sollte bleibt ungeklärt.

3. Ein Thema der Woblies war immer der Holzschuh (französisch: le Sabot). Es wird überliefert, dass französische ArbeiterInnen ihre Holzschuhe in die Maschinen geworfen haben sollen, um diese zu stoppen und ihre Forderungen gegenüber den ArbeitgeberInnen damit zu untermauern. Die „Sabots“ sind in der IWW ein Symbol für Sabotage. Es gibt viele bildliche Darstellungen von IWW-Militanten in Holzschuhen. Nun, wer mit solchen Schuhen durch die Gegend läuft hat einen wankenden Gang. Ausserdem wird „Wobbling the Works“[etwa: „die Arbeit ins wanken bringen“] als Synonym für direkte Aktion verwendet. Daraus entstand Gerüchten zu Folge die Bezeichnung „die Wobblies“

4. Wobbly - Ein Schmähbegriff der Bosse. Verschmäht wurde die IWW von den Bossen seit dem es sie gibt. „IWW - Ich will Whiskey“ oder „IWW – I Won´t Work (Ich werde nicht arbeiten) sind bekannte Beschimpfungen. Wobbly könnte daher auch vom wankenden Gang des vorgeblich ewig betrunkenen IWW Arbeiter herrühren. Insbesondere Arbeit suchende Gelegenheitsarbeitern(den „Footless“), die von Stadt zu Stadt wanderten, wurde viel übel nach geredet. Möglich das aus solch bösen Gerede der Begriff Wobly seinen Ursprung hat.

Wo der Begriff wirklich her kommt werden wir wohl nie klären können. Im Grunde ist es auch einerlei. “Wobblies” hat sich eingebürgert und es ist ein eingängiger und wohlklingender Spitzname. Lassen wir es dabei. Sucht euch eine Entstehungsversion aus!

Quellen:
What is the origin of the term “Wobbly”?

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verfasst von Kai M., redigiert von Stuhlfauth

GDL-Streik: Mit erhobenem Haupt

Ein Kommentar zum Streik der deutschen LokführerInnen
von Heiner Stuhlfauth

Der Pulverdampf hat sich verzogen, die Karawane ist weiter gezogen. Der GDL-Streik, der Anfang Januar 2008 mit Abschluss eines Tarif-Vertrages (voerst) befriedet wurde, ist – so fühlt es sich heute an – lange vorbei. Andere Konflikte sind gefolgt und überlagern die Erinnerung: Eine deprimierend wehrlose und unselbständige Belegschaft bei Nokia in Bochum, der Streik der Drehbuch-AutorInnen in den USA und die begonnenen Konflikte im öffentlichen Dienst und in der Metall-Branche (u.a. um 8% mehr Lohn).

Ohne Kaffeesatz-Leserei betreiben zu wollen, können wir davon ausgehen, dass der GDL-Streik bundesdeutsche Geschichte geschrieben hat. Denn er hat verschiedene Dinge deutlich gemacht: