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19. Juni 2008

Pastete im Himmel - Gedanken über Joe Hill

Wir dokumentieren einen Artikel von Rüdiger Haude aus der libertären Zeitung Graswurzelrevolution (Nr. 330 / Sommer 2008):

Mich träumte, ich hätte Joe Hill gesehen, lebendig wie du oder ich. Sag’ ich: “Aber Joe, du bist seit zehn Jahren tot!” - “Ich bin nie gestorben!”, sagt er. - “Ich bin nie gestorben!”, sagt er.

So (freilich auf Englisch) beginnt ein Lied, dessen Text im Jahre 1925 von dem 14-jährigen Alfred Hayes verfasst wurde. Elf Jahre später wurde es von Earl Robinson vertont (youtube: Kevin Maynor). Pete Seeger machte das Lied international bekannt, und auf dem Woodstock-Festival wurde es 1969 von Joan Baez vorgetragen (youtube: Joan Beaz live at Woodstock). Ein wichtiges Stück der populären Musikgeschichte im 20. Jahrhundert.
Sein Text hat etwas Irritierendes. Hätte Joe Hill selbst so sprechen können? Hätte er Unsterblichkeit für sich reklamiert? Er, der anarchistische Arbeiter-Sänger, der 1915 einem Justizmord zum Opfer fiel?

Sein Wirken hatte allerdings viel mit der Frage der Unsterblichkeit zu tun gehabt. Hill, der aus Schweden in die USA eingewandert war, hatte sich dort der anarchosyndikalistisch geprägten Gewerkschaft Industrial Workers of the World (IWW) angeschlossen und begonnen, Lieder für diese zu schreiben.

Musik war ein entscheidendes Kampfmittel in den Klassenkämpfen jener Zeit, denn das US-Proletariat war ein Konglomerat von Menschen unterschiedlicher sprachlicher Herkunft, dessen solidarischer Zusammenhalt durch rein sprachliche Mittel kaum herzustellen war. Dies wussten auch die Bosse. Gegen die Organisations- und Propagandatätigkeit der IWW heuerten sie gerne (wir sprechen von der Zeit um 1905-1910) die mobilen Einsatzkommandos der evangelikalen Heilsarmee an, deren Kapellen mit ihren Trompeten und großen Trommeln imstande waren, auch die feurigste revolutionäre Rede zu übertönen. Den gesamten Beitrag lesen »

12. Juni 2008

Neu-Isenburg: Streik in Druckerei der Frankfurter Rundschau

Eilmeldung: Donnerstag, 12. Juni 2008
Die Druckerei der Frankfurter Rundschau (FR) in Neu-Isenburg steht heute still

Die Kollegen wehren sich mit diesem erneuten Warnstreik gegen die scheibchenweise Abwicklung ihrer Zeitung und der damit verbundenen Arbeitsplätze durch den neuen Eigner der FR, das Medienunternehmen DuMont Schauberg (MDS), welches der Kölner Patrizier-Familie Neven DuMont gehört.

Die Streikenden in Neu-Isenburg wollen das Erscheinen der morgigen Freitagsausgabe der Frankfurter Rundschau verhindern.

Ihre Befürchtung war zunächst, dass der Streik in Neu-Isenburg in der Kölner Druckerei unterlaufen werden könnte. Später stellte sich jedoch heraus, dass die Druckerei des Medienkonzerns Madsack in Hannover - einer vor einigen Wochen vom dortigen Betriebsratsvorsitzenden gegebenen Zusage zum Trotz, keine Streikbrecherarbeit zu machen - die Deutschland-Ausgabe der FR produziert.

Solidarität von Beschäftigten des Kölner Stadt-Anzeiger + Express ?

Bereits am zurück liegenden Montag hatte sich eine Protest-Delegation der Drucker auf nach Köln gemacht. Ein Teil der Betriebsaktivisten hatte versucht, einen offenen Brief an Neven DuMont abzusetzen, ein Betriebsrat hatte mit Unterstützung einzelner Kölner vor dem Firmensitz an der Amsterdamer Straße in Köln protestiert.

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11. Juni 2008

Protest gegen boese bosse: Schick eine Mail an boesner!

Die IWW Köln ruft zu Protesten gegen arbeiternehmerfeindliche Praktiken der Kunstbedarfskette boesner auf

Liebe Freunde, KollegInnen, ArbeiterInnen, kritische Gewerkschafter!

Wir bitten euch, unsere Kollegen in der boesner-Filiale Köln zu unterstützen. Am 7. Juni 2008 fanden Protestaktionen vor fünf boesner-Filialen in Deutschland und Österreich statt; nun ist es an der Zeit, die Kette mit Protesten aus der virtuellen Welt zu bedrängen.

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9. Juni 2008

Boesner: Demokratie auch für ArbeiterInnen?

Protestaktionen vor Boesner-Filialen in 5 Städten: Gegen die Verhinderung betrieblicher Interessensvertretung, gegen unbezahlte Mehrarbeit

Am Samstag dem 7. Juni 2008 fanden zwichen 10 und 13 Uhr Protestaktionen von den Filalen der Künstlebedarfskette boesner in Köln, Frankfurt am Main, Berlin, Wien und Graz statt. Es ging um die Verhinderung einer Betriebsratswahl im Januar 2008 in Köln und die Einführung der Samstagsarbeit am 7. Juni 2008 in der Kölner Filiale. Zwischen beiden Ereignissen besteht ein direkter Zusammenhang.

Es wurden Flugblätter an die Kundschaft verteilt, Redebeiträge gehalten, lautstark und sichtbar auf die Behinderung und Einschüchterung aktiver und kritischer ArbeiterInnen durch die Geschäftsleitung bei Boesner Köln hingewiesen. Nicht wenige Kundinnen und Kunden fühlten sich angesprochen und solidarisierten sich mit den Protestierenden.

Aufgerufen hatten die Industrial Workers of the World (IWW) im deutschsprachigen Raum. Die IWW ist in der Kölner Filiale durch Mitglieder vertreten und hat die versuchte Betriebsratsgründung in Köln in Zusammenarbeit mit der Belegschaft begleitet.

Betriebsratsgründung verhindert

In der Kölner Boesner-Filiale arbeiten ca. 25 abhängig Beschäftigte. Laut Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) dürfen sie einen Betriebsrat mit drei Mitgliedern (und drei Stellvertretern) wählen. Als eine Gruppe von Angestellten Anfang 2008 von diesem demokratischen Recht Gebrauch machen wollte, führte sich die Geschäftsführerin und Gründerin der Kölner Filiale, Carmen Gieselmann, auf, als wollte man sie enteignen und ihr Privatvermögen in eine gemeinnützige Stiftung überführen.

Der Paragraph 119 des BetrVG stellt zwar jegliche Beeinflussung einer Betriebsratswahl unter Strafe. Das kümmerte Frau Gieselmann allerdings wenig. Sie setzte zwei außerordentliche Betriebsversammlungen nach Feierabend an, auf denen sie - flankiert von ihren Günstlingen - die Belegschaft mit Drohungen und rhetorischen Manövern in die Ecke trieb und unter Rechtfertigungsdruck setzte. Es gab im wörtlichen Sinne Geschrei und Geheule. Zudem wurden Beschäftigte in Einzelgesprächen unter Druck gesetzt. Die massive Einflussnahme verfehlte ihre Wirkung nicht. Der aktive Teil der Belegschaft zog die Betriebsratswahl entnervt zurück, nachdem eine zunächst sicher scheinende Mehrheit abschmolz.

Zur Strafe: Samstagsarbeit

Die Einführung der Samstagsarbeit ist nun die Quittung für die abgebrochene Betriebsratswahl. Zur Abdeckung des 6. Arbeitstages gibt es bislang keine Neueinstellungen oder Wochenendzuschläge. Vielmehr wird die Personaldecke an den einzelnen Tagen verkleinert, so dass z. B. an der Kasse fortan 4 Leute stehen, anstatt wie bisher 5. Der Arbeitsdruck, der zu Stoßzeiten schon erheblich ist, wird sich somit weiter steigern. Den gesamten Beitrag lesen »