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Von Norma Raymond

Ich arbeite für ein großes, dämliches Unternehmen, das in seinem Bereich praktisch über ein Monopol verfügt. Da rauszukommen ist ein unrealistischer Tagtraum, und so habe ich einige Mechanismen entwickelt, mit meiner Arbeitssituation besser klarzukommen.

Ich hoffe, diese Mechanismen sind nicht Ausdruck eines leichten Stockholm Syndroms. Es ist ziemlich schwer zu rechtfertigen, dass ich für diesen Arbeitgeber arbeite. Darum tue ich, was ich kann, um ihn zu sabotieren, während ich gleichzeitig täglich daran arbeite, eine Gewerkschaft zu gründen.

Ich ermutige meine Kollegen, die Produktion zu verlangsamen. Ich dränge sie, sich tatsächlich krankzumelden, wenn sie sie krank sind. Ich flehe sie an, Probleme am Arbeitsplatz offen anzusprechen. Ich biete ihnen an, sie zu begleiten, wenn ihnen das hilft. Ich sammle mit ihnen Ideen, wie man den Job befriedigender gestalten kann. Ich weise auf Probleme am Arbeitsplatz hin und ermutige zu offenem Austausch darüber.

Das sind alles keine besonderen Taten. Das sind spontane Antworten auf das, was von der Unternehmensleitung kommt.

Einem kranken Arbeiter wird gesagt: „Es passt gerade nicht, wenn du früher gehst“ (als wenn man sich aussuchen könnte, wann man krank wird). Oder: „Du hast noch nicht genug Überstunden, um dich krankzumelden“.

Einer Angestellten, die sexuell belästigt wurde, wird gesagt: „Wir wollen, dass die Leute hier auch mal Witze machen und Spaß haben können“. Oder: „Jungs sind nun mal Jungs“.

Es ist schwierig, große Hoffnungen zu haben, wenn manche der Menschen, die auf diese Weise belästigt werden, sich nicht dagegen wehren wollen. Es ist frustrierend, wenn andere irgendwann die Schnauze voll haben und einfach kündigen. 

Weiterlesen: Niemand hat behauptet, es sei leicht

Einige frühere Beschäftigte von “Beverage Plus” haben diese Woche zusammen mit Unterstützern den Firmensitz in Maspeth Queens aufgesucht, um zu fordern, dass der Besitzer Yun Cho die mehr als 1,2 Millionen Dollar auszahlt, die den ArbeiterInnen in einem Gerichtsverfahren wegen Lohndiebstahl zugesprochen worden waren.

Cho war dort anwesend, aber kam nicht heraus, um mit den ArbeiterInnen zu sprechen. Diese haben dann einen Brief abgegeben, in dem sie die Zahlung forderten.

Die Firma, die auch unter den Namen „YS Beverage“ und „Grand Beverage“ operierte, ist ein Getränkegroßhändler in New York City, der Produkte wie Coca Cola und Poland Spring Getränke ausliefert. Sie ist 2012 haftbar gemacht worden für zahlreiche Verletzungen des Fair Labor Standard Act, weil sie Mindestlöhne nicht gezahlt und Überstunden nicht vergütet hatte.

Die ArbeiterInnen versuchen immer noch, die Zahlungen vor Gericht durchzusetzen, aber rufen auch dazu auf, ihre Kampagne zu unterstützen, damit sie das Geld bekommen, das ihnen zusteht.

Die ArbeiterInnen sind langjährige Mitglieder der Brandworkers und der New Yorker IWW-Kampagne zur Organisierung und Verbesserung des Nahrungsmittel produzierenden und liefernden Sektors in New York.

Weitere Informationen über die Kampagne der Beverage Plus ArbeiterInnen folgen!

Originaltext auf iww.org: http://www.iww.org/content/nyc-iww-beverage-plus-pay