Am 26.8. 2009 hat Victor Grossmann im Kino Babylon Berlin Mitte einen Vortrag zum Thema “Die Wobblies in den USA” gehalten.
Victor Grossmann war als junger amerikanischer Soldat in den 1950er Jahren durch einen beherzten Sprung in die Donau auf das Gebiet des Warschauer Paktes geflohen. Diese Außergewöhnliche Tat machte ihn in der DDR, wo er später als Journalist arbeitete, zu einer Art Celebrity. Sein Sohn Timothy Grossmann betreibt das Kino Babylon Berlin, welches vom Rot-rot-grünen Senat finanziell ausgepolstert und abgefedert wird.
Wir dokumentieren eine Erklärung der International Solidarity Commission (ISC) der IWW:
Normalerweise begrüßt die IWW öffentliche Debatten, aber in diesem Fall lehnen wir die Veranstaltung aus zwei Gründen ab.
Die Belegschaft des Babylon-Kinos hatte Verhandlungen über einen Kollektivvertrag gefordert. Bislang wird dies vom Management abgelehnt. Mitglieder der Gewerkschaft FAU, die die Forderungen aktiv unterstützen, wurde der Zutritt zu Kinovorstellungen verweigert - selbst mit gueltiger Eintrittskarte.
Drei befristet Beschäftigten wurde die routinemäßige Verlängerung ihrer Arbeitsverhältnisse verweigert, ihnen wurden Outsourcing-Verträge angeboten. Die Geschäftsleitung gab offen zu, dass es darum gehe, die Zahl der Beschäftigten unter 20 zu reduzieren. Das ist eine Grenze, unter der Beschäftigten in Kleinbetrieben nach dem deutschen Arbeitsrecht deutlich weniger kollektive Rechte zustehen.
Als die FAU Victor Grossman mit der Bitte um Unterstützung kontaktierte, lehnte er ab, mit der Begründung, die alte IWW sei großartig gewesen, die gegenwärtige jedoch, wie auch die FAU, nutzlos. Er unterstellte, sie befänden sich unter dem Einfluss dritter Parteien (die er nicht benennen konnte), und schlug vor, sie sollten, anstatt “ein linkes Kino zu zerstören”, lieber etwas gegen den Krieg in Afghanistan unternehmen.
Wir wissen nicht, was Victor Grossman dazu bringt, seinen Sohn Timothy Grossmann und dessen öffentlich subventioniertes Kinounternehmen in diesem Konflikt zu unterstützen. Vielleicht ist es für einen alten Kommunisten schwer zu akzeptieren, dass sein Nachkomme ein gewöhnlicher kapitalistischer Unternehmer geworden ist. Als junger linker Aktivist lernte Victor Grossman den Kommunismus nur in seiner stalinistisch verzerrten Form kennen. Vielleicht hat seine Ignoranz gegenüber Demokratie am Arbeitsplatz (industrial democracy) und gewerkschaftlichen Kämpfen ihre Wurzeln auch in seinem späteren Leben als Journalist in einem staatssozialistischen Land.
Wie auch immer - für uns ist die Unterstützung, die Victor Grossman dem Babylon gegen den Boykott, zu dem unsere FAU-Genossen aufgerufen haben, nichts anderes als Streikbruch. Dass er dies in Zusammenhang mit Joe Hill und unserem Namen tut, ist schlicht widerlich.
Offenkundig haben weder V. Grossman noch die Betreiber des Babylon-Kinos eine leise Ahnung von industrieller Demokratie oder von der gegenwaertigen IWW. Es bestehen keine Verbindungen zwischen der IWW und diesen Leuten.
Die Internationale Solidaritäts Kommission (ISC) der IWW, 7. September 2009
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