New York: Brandworkers, Wobblies und Freunde zwingen Meeresfrüchte-Großhandel in die Knie

ArbeiterInnen erzwingen umfangreiches Abkommen mit Wild Edibles /  Graswurzel-Kampagne brachte über 75 Restaurants zum Boykott

Wild Edibles Inc. gehört zu den führenden Meeresfrüchte-Großhändlern New Yorks und beliefert einige der angesehendsten und luxuriösesten Restaurants der Stadt sowie zahlreiche Einzelhändler.

Wie die IWW am 20. Januar 2010 bekannt gab, erzielten Anwälte nun mit einem New Yorker Konkurs-Richter ( federal bankruptcy judge) eine Schlichtungs-Vereinbarung, welche die Zahlung von über 340.000 US-Dollar an ArbeiterInnen beinhaltet sowie umfassende Arbeitsplatz-Garantien. Damit endete ein komplexer Rechtsstreit, der von ArbeiterInnen bei Wild Edibles ausgelöst wurde.
Die IWW im deutschsprachigen Raum hatte im Jahr 2008 eine Veranstaltungstour mit zwei IWW-Aktivistinnen aus New York durch mehrere Städte auf die Beine gestellt, in der die Organisierung illegaler ArbeiterInnen in Brooklyn vorgestellt wurde. Wild Edibles stand damals schon im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Zum selben Thema gibt es außerdem eine IWW-Broschüre, die ihr hier herunter laden könnt: Der Weg entsteht beim Laufen – oder die Organisierung der Unorganisierbaren (pdf)

Die umfassende Einigung markiert den vorläufigen Schlusspunkt eines heftig umkämpften Konflikts, in dem über zwei Dutzend ausländischer ArbeiterInnen und die Graswurzel-Organisation Brandworkers International Wild Edibles mit Hilfe von Presse-Arbeit, Stadtteil-Organisierung und Graswurzel-Aktionen unter Druck setzten.
Wichtiges Beispiel für erfolgreiche Selbstorganisation /p>

“Wir lassen jetzt die Korken knallen, weil wir heute bewiesen haben, dass einfache ArbeiterInnen sich organisieren können, dass sie gemeinsam aktiv werden und gewinnen können”, sagte Raymundo Lara Molina, ein ehemaliger Angestellter von Wild Edibles und Brandworkers-Aktivist.

Der Meeresfrüchte-Großhändler muss nun 340.000 Dollar für unbezahlte Überstunden und die Verletzung von Arbeiterrechten an die betroffenen berappen, sowie eine verpflichtenden Schutz im kollektiven Arbeitsrecht akzeptieren, besonders was die gewerkschaftliche Organisierung und Tarif-Verhandlungen betrifft.

“Gerade in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist es wichtig, dass Arbeiter-Rechte respektiert werden und Lohn-Raub nicht toleriert wird”, sagte Cesar Barturen, ein ehemaliger LKW-Fahrer von Wild Edibles.

Die Industrial Workers of the World hatten anfänglich mehrere Belegschaften von Großhandels-Unternehmen in Brooklyn gewerkschaftlich organisiert, mussten aber auch empfindliche Rückschläge hinnehmen, weil ArbeiterInnen gefeuert wurden, oder manche Läden Konkurs anmeldeten und mit neuem Namen wieder eröffnet wurden.

Die Initiative “Brandworkers International” wurde u.a. vom Mitbegründer der IWW Starbucks-Gewerkschaft, Daniel Gross, ins Leben gerufen, um ArbeiterInnen von Ketten und Großhändlern auch abseits von gewerkschaftlichen Kämpfen zu unterstützen, gerichtlichen Beistand zu organisieren, Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und Aktionen durchzuführen. Der Fokus von Brandworkers liegt auf dem Lebensmittel-Großhandel, weil dort tausende von eingewanderten ArbeiterInnen – darunter sehr viele Illegale – systematisch diskriminiert und ausgebeutet werden.

Die ArbeiterInnen erhielten prominente Unterstützer beispielsweise durch Kirchen oder das New Yorker Stadtratsmitglied Eric Gioia, in dessen Wahlbezirk das Lager von Wild Edibles lag.

Neben der IWW erhielt die Kampagne gegen Wild Edibles u.a. Unterstützung von der Rechtsabteiltung von Rankin and Taylor, von Levy Ratner, dem Urban Justice Center, Debevoise & Plimpton und Vladeck Waldman

Brandworkers erhielt im Jahr 2009 den “Union-Square-Preis” für den Kampf um soziale Gerechtigkeit durch Graswurzel-Arbeit.

Presse-Berichte:

“Wild Edibles Settles With Workers’ Group Pushing Boycott”, New York Times, 20. Januar 2010

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