Die Liberalisierung der Postdienstleistungen in Deutschland vernichtet tausende von Arbeitsplätzen und belastet die Arbeitslosen- und Rentenkassen.
Nein, nicht jeder wird entlassen – einige tausend dürfen demnächst auch in Teilzeit mit dem entsprechend verringerten Einkommen versuchen ihre Familien über Wasser zu halten. Mehrere tausend Briefträger werden derzeit auf “freiwilliger” Basis auf Teilzeit umgestellt, weil die gelbe Post sonst im Wettbewerb mit der privaten Konkurrenz nicht bestehen kann. Kein Wunder!
Beispiel 1 - Pin AG
Ein Großteil der Mitarbeiter verdient so wenig Geld, dass sie neben ihrem Einkommen aus Arbeit zusätzlich ALG2 beantragen müssen um überleben zu können. Das heisst nichts anderes, als dass die Gemeinschaft der Steuerzahler zwar die gelbe Post nicht mehr subventionieren darf, aber deren neu entstandene Konkurrenz subventionieren muss, damit die mit ihren Preisen die gelbe Post unterbieten können.
Beispiel 2 - TNT
TNT sucht in Nordrhein-Westfalen Jugendliche ab 13 Jahre als Zusteller, vorerst für Kataloge, Prospekte und Handzettel. Aber man kann getrost davon ausgehen, dass man sich damit auf die Freigabe des Briefmonopols der gelben Post vorbereitet. Als Bezahlung nennt der TNT- Geschäftsführer 10-15 Euro pro Jugendlicher für eine Tagestour als Verteiler (ca. 3 Stunden). Da wird also mit Kinderarbeit und dem daraus resultierenden Dumpinglohn und der damit möglichen Dienstleistungs-Preisliste eine Konkurrenz zur gelben Post aufgebaut, die diese mit voll- oder teilbeschäftigten Briefträgern, die oft eine Familie ernähren und eine Altersversorgung aufbauen müssen, niemals bestehen kann. So sieht die Liberalisierung aus. Zu diesen Ergebnissen führt es, wenn man Staatsbetriebe in die freie Wirtschaft entlässt und dem Raubtierkapitalismus nicht gleichzeitig notwendige Ketten anlegt.
Im optimalen Fall wird also Vater Halbtagskraft bei der gelben Post, - der 13jährige Sohn arbeitet für 10 Euro/Tag vor Schulbeginn bei TNT - Mutter arbeitet für einen Hungerlohn bei der Pin AG, kann aber kein zusätzliches ALG2 beantragen, da Vater immer noch ein Einkommen über der ALG2-Grenze hat. Tolle Perspektive - und das Ganze dann bis zum Alter von 50 Jahren, dann in die Arbeitslosigkeit mit ALG1 und gleich mit ALG2-Zuschuss, denn weder Vater noch Mutter werden ja ein ALG1 bekommen, von dem man existieren könnten. So geht es dann, bis man mit 67 in völliger Armut versinkt, denn über die resultierende Rente braucht man nicht nachzudenken. Sie wird für diesen Personenkreis weder zum Leben noch zum Sterben reichen.
Ausnahmefälle? Vergesst es. Das ist die Perspektive, damit die Wirtschaft konkurrenzfähig bleibt und das internationale Finanzkapital, die berüchtigten Heuschrecken, sich dumm und dämlich verdienen kann.
Ein Beitrag aus dem “Guckloch”, Februar 07, der Betriebszeitung des TEAM UTE (Unabhängig Transparent Ehrlich) bei BOSCH-REXROTH Mechatrons GmbH in Schweinfurt.
Posted by stuhlfauth in allgemein, kapital und arbeit
